Die Zugluft am Fenstergriff verrät es meist schon Ende August, lange bevor die Heizung überhaupt zum ersten Mal läuft: Wer jetzt mit der flachen Hand über den Rahmen fährt und einen kühlen Luftzug spürt, zahlt im Januar dafür drauf – Grad für Grad, Kilowattstunde für Kilowattstunde. Genau jetzt, bei milden zwölf bis achtzehn Grad und trockener Witterung, lässt sich das Problem in ein, zwei Nachmittagen beheben, ohne dass man frierend auf dem Fensterbrett balanciert oder Silikon bei Regen aushärten lassen muss.
Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Dichtmasse und Dichtungsbänder brauchen zum Aushärten und zum sauberen Anliegen trockene Bedingungen zwischen zehn und zwanzig Grad – Werte, die der Spätsommer noch zuverlässig liefert, der Oktober aber schon regelmäßig unterschreitet. Wer bis in die Heizperiode wartet, arbeitet bei Kälte mit spröde gewordenem Gummi, das sich schlechter in die Fensterfalz drücken lässt, und riskiert, dass frisch aufgetragenes Silikon durch Kondenswasser an kalten Scheiben gar nicht erst richtig anzieht. Hinzu kommt ein praktischer Grund: Die Fenster stehen im September noch häufiger offen als im November, und jede Dichtung lässt sich in Ruhe von innen und außen prüfen, ohne dass die Wohnung dabei auskühlt. Wer die Arbeit jetzt erledigt, hat außerdem die gesamte Heizperiode Zeit, um zu beobachten, ob die neue Dichtung wirklich hält – und kann bei Bedarf noch vor dem ersten Frost nachbessern.
Fenster checken: die drei Stellen, die wirklich zählen
Der Klassiker unter den Undichtigkeiten sitzt an der umlaufenden Gummidichtung zwischen Flügel und Rahmen. Nach acht bis zwölf Jahren wird dieser Gummi spröde, verliert seine Rückstellkraft und schließt nicht mehr vollständig – ein Zustand, den man mit dem sogenannten Papiertest in dreißig Sekunden prüft: Ein Blatt Papier zwischen Flügel und Rahmen einklemmen, Fenster schließen, am Papier ziehen. Lässt es sich mühelos herausziehen, fehlt der Anpressdruck, und die Dichtung gehört erneuert. Passende Ersatzdichtungen gibt es bei Hornbach, Obi oder Bauhaus meterweise für zwei bis fünf Euro pro laufendem Meter, je nach Profilform und Hersteller – wichtig ist, das alte Profil mit einem Reststück zum Fachhandel mitzunehmen, damit die neue Dichtung tatsächlich in die vorhandene Nut passt.
Zweite Schwachstelle: die Beschläge. Ein Fenster, das sich klemmend öffnen lässt oder beim Schließen spürbaren Widerstand am Griff bietet, sitzt oft einfach nicht mehr richtig im Rahmen, weil sich die Anpressleiste über Jahre verzogen hat. Die meisten Fensterbeschläge lassen sich mit einem Inbusschlüssel an den seitlichen Scharnieren nachstellen – ein bis zwei Millimeter mehr Anpressdruck reichen oft schon, um eine Dichtung zu retten, die eigentlich noch in Ordnung wäre. Drittens: die Fuge zwischen Rahmen und Mauerwerk. Hier hilft kein Dichtungsband, sondern nur eine dauerelastische Fugenmasse auf Silikon- oder Acrylbasis, aufgetragen nach vorherigem Auskratzen brüchiger alter Fugen und Grundierung mit Fugenprimer, sonst hält die neue Fuge keine zwei Winter.
Welches Dichtungsmaterial für welchen Fall
- Moosgummi-Dichtungsband (etwa von tesa oder Ochsner): günstig, leicht zu verarbeiten, hält meist zwei bis drei Jahre – gute Wahl für Mietwohnungen ohne größere Investition
- Silikon-Dichtungsprofile: teurer in der Anschaffung, aber deutlich langlebiger, bis zu zehn Jahre, und formstabiler bei Temperaturschwankungen
- EPDM-Gummidichtung: die Variante, die Fensterhersteller selbst verbauen, empfehlenswert als Ersatz bei Fenstern jünger als fünfzehn Jahre, weil sie exakt in die vorhandene Nut passt
- Dauerelastische Fugenmasse (etwa Sikaflex oder Ramsauer) für die Fuge zwischen Rahmen und Mauerwerk – niemals normales Silikon aus dem Sanitärbereich, das reißt bei Bewegung im Mauerwerk
An Werkzeug brauchen Sie für die meisten dieser Arbeiten nicht mehr als einen kleinen Schraubendreher, einen Fugenglätter aus Kunststoff für rund drei Euro und einen scharfen Cuttermesser, um überschüssiges Dichtungsband präzise abzulängen. Wenn Sie sich unsicher sind, welches Profil zu Ihrem Fenster passt, nehmen Sie ein zehn Zentimeter langes Reststück der alten Dichtung mit in den Baumarkt – die Verkäufer an der Dichtungsband-Theke bei Hornbach oder Bauhaus messen die Nutform in der Regel direkt vor Ort nach.
Türen abdichten: Schwelle und Falz oft wichtiger als die Optik
Bei Haustüren und Terrassentüren entsteht der größte Wärmeverlust fast immer an der Bodenschwelle, nicht am eigentlichen Türblatt. Ein simpler Test dafür: bei geschlossener Tür von außen mit einer brennenden Kerze oder einem Feuerzeug knapp über dem Boden entlangfahren – flackert die Flamme, zieht Luft durch. Abhilfe schafft eine automatische Absenkdichtung, die beim Schließen der Tür nach unten fährt und beim Öffnen wieder hochklappt, für rund fünfzehn bis dreißig Euro nachrüstbar, meist ohne dass die Tür ausgehängt werden muss. Wer keine Lust auf den Einbau hat, kommt mit einem simplen Zugluftstopper aus Schaumstoff oder gefülltem Stoffschlauch für unter zehn Euro zumindest über den ersten Winter.
Am Türfalz – dort, wo das Türblatt gegen den Rahmen schließt – sitzt bei den meisten Haustüren werkseitig bereits eine Gummidichtung, die aber gerade bei täglich stark genutzten Eingangstüren nach sechs bis acht Jahren zusammengedrückt und porös ist. Der Austausch läuft genauso wie beim Fenster: altes Profil komplett herausziehen, Falz mit einem feuchten Tuch von Staub und Fett befreien, neues Profil einclipsen. Bei Kellertüren und Nebeneingängen, die selten genutzt werden, reicht häufig ein deutlich günstigeres Moosgummiband, weil hier keine tägliche Beanspruchung durch Öffnen und Schließen stattfindet.
Typische Fehler bei der Abdichtung
Der häufigste Fehler ist zu dickes Dichtungsband, das zwar im ersten Moment jede Zugluft stoppt, das Fenster aber so stark unter Spannung setzt, dass sich der Flügel kaum noch öffnen und schließen lässt und die Beschläge auf Dauer Schaden nehmen. Als Faustregel gilt: Das Dichtungsband sollte beim Schließen spürbaren, aber keinen übermäßigen Widerstand bieten – wenn der Griff sich nur noch mit beiden Händen umlegen lässt, ist die Stärke falsch gewählt.
Zweiter Klassiker betrifft die Fensterlaibung von innen: Viele greifen bei sichtbaren Rissen im Putz reflexartig zu Acryl, weil es sich leicht verarbeiten lässt – doch Acryl reißt bei jeder thermischen Bewegung des Rahmens erneut auf und muss praktisch jährlich nachgezogen werden. Für diese Stelle gehört eine dauerelastische Masse hin, auch wenn sie sich etwas schwerer glattziehen lässt. Ein dritter, seltener genannter Punkt betrifft die Belüftung: Wer ein Fenster komplett abdichtet, ohne die Wohnung danach regelmäßig stoßzulüften, provoziert Feuchtigkeit an kalten Außenwandecken und im schlimmsten Fall Schimmelbildung – gerade in Altbauwohnungen, die früher über undichte Fenster automatisch entlüftet wurden, sollte man nach der Abdichtung bewusst zwei- bis dreimal täglich für fünf Minuten querlüften.
Kosten und Aufwand realistisch eingeschätzt
Für eine Vier-Zimmer-Wohnung mit sechs Fenstern und einer Balkontür liegt der Materialaufwand für eine komplette Fensterdichtung meist zwischen vierzig und achtzig Euro, wenn man selbst Hand anlegt – reine EPDM-Qualität nach oben hin etwas teurer. Die Arbeitszeit dafür beträgt pro Fenster kaum mehr als zehn bis fünfzehn Minuten, sobald man den Dreh beim Einclipsen des Profils heraus hat. Wer stattdessen einen Fensterbaubetrieb kommen lässt, zahlt für dieselbe Arbeit üblicherweise zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Euro pro Fenster inklusive Anfahrt, was sich vor allem bei denkmalgeschützten Fenstern mit ungewöhnlichen Profilen lohnt, für die es keine Standarddichtung im Baumarkt gibt. Bei der Haustür schlägt die Absenkdichtung mit Material und eigener Montage kaum mehr als dreißig Euro zu Buche – eine der günstigsten Einzelmaßnahmen überhaupt gemessen am spürbaren Effekt auf die gefühlte Raumtemperatur im Eingangsbereich.
Was Abdichten nicht ersetzen kann
So wirkungsvoll neue Dichtungen sind – sie retten kein Fenster, dessen Isolierverglasung bereits beschlagen ist oder dessen Rahmen sich sichtbar verzogen hat. Ein beschlagenes Fenster zwischen den Scheiben zeigt eine defekte Randverbund-Isolierung an, bei der die Gasfüllung entwichen ist; hier hilft nur der Austausch der Scheibe oder des gesamten Fensters, keine noch so gute Dichtung. Wer unsicher ist, ob sich eine Sanierung der Dichtungen überhaupt noch lohnt, sollte bei Fenstern älter als dreißig Jahre grob überschlagen: Kostet die Dichtung mehr als zehn bis fünfzehn Prozent des Preises für ein neues Fenster desselben Formats, spricht das eher für den Austausch als für die Reparatur – ein Rechenweg, den auch die Verbraucherzentrale in ihren Energieberatungen empfiehlt.
Wenn Sie jetzt im Spätsommer einmal durch die eigene Wohnung gehen und an jedem Fenster den Papiertest machen, sparen Sie sich nicht nur kalte Füße im Winter, sondern auch den Griff zum Thermostat, bevor die Heizperiode überhaupt richtig beginnt. Ein Nachmittag mit Dichtungsband, Fugenmasse und einer brennenden Kerze zur Fehlersuche reicht in den meisten Wohnungen völlig aus – die Ersparnis auf der nächsten Heizkostenabrechnung sehen Sie erst im Frühjahr, aber sie kommt mit Sicherheit.