Die ersten Blätter liegen schon auf der Terrasse, und der Rasenmäher-Roboter meldet nach jeder Runde einen randvollen Fangkorb. Wer jetzt, Mitte September, einfach alles zusammenrecht und in die Biotonne stopft, verschenkt nicht nur wertvollen Dünger für das kommende Frühjahr, sondern nimmt Igeln, Laufkäfern und Florfliegenlarven auch noch das einzige Winterquartier, das ihnen in einem aufgeräumten Vorstadtgarten überhaupt noch bleibt. Die eigentliche Aufgabe besteht deshalb nicht darin, den Garten komplett laubfrei zu bekommen, sondern das Laub gezielt an die richtigen Stellen zu bringen. Genau darin unterscheidet sich eine durchdachte Herbstpflege von reiner Betriebsamkeit mit dem Rechen, und genau diese Unterscheidung entscheidet am Ende, ob der Oktober entspannt oder in ständiger Kehrarbeit vergeht.
Wo Laub tatsächlich stört – und wo es bleiben darf
Nicht jede Fläche verträgt eine geschlossene Laubdecke gleich gut, und genau hier beginnt die eigentliche Sortierarbeit im Garten. Auf dem Rasen wird eine dicke, feuchte Schicht schnell zum Problem, weil sie Licht und Luft von den Grashalmen fernhält und binnen weniger Wochen gelbe, faulige Stellen entstehen lässt, die sich erst im nächsten Sommer wieder schließen. Auf Terrassenplatten, Gehwegen und vor allem auf Kellertreppen wird nasses Laub zusätzlich rutschig, was in vielen Kommunen sogar zur Verkehrssicherungspflicht gegenüber Besuchern und Postboten gehört – wer die Räumpflicht missachtet, haftet im Zweifel für einen Sturz vor der eigenen Haustür. Auch am Teichrand sollte Laub nicht liegen bleiben, denn verrottende Blätter im Wasser entziehen dem Teich Sauerstoff und lassen den Nährstoffgehalt so weit steigen, dass sich im Frühjahr dichte Algenteppiche bilden. Ein feinmaschiges Laubnetz über dem Teich, gespannt von September bis Ende Oktober, verhindert diesen Effekt zuverlässiger als jedes nachträgliche Abkeschern im November. Unter Hecken, in wilden Ecken, zwischen Stauden und am Rand des Grundstücks ist die Lage dagegen genau umgekehrt: Eine lockere Laubschicht von fünf bis zehn Zentimetern schützt dort die Wurzeln vor Frost, hält den Boden feucht und zerfällt bis zum Frühjahr größtenteils von selbst zu Humus. Igel suchen genau solche Laubhaufen an geschützten, ungestörten Stellen als Winterquartier, und wer im Oktober noch einen Haufen unter der Hecke liegen lässt, sollte ihn bis mindestens April auch dort belassen, statt ihn bei der nächsten Frühjahrsaufräumaktion vorschnell wegzuräumen.
Der Rasen ist die Ausnahme, nicht die Regel
Weil der Rasen die einzige Fläche ist, auf der Laub wirklich regelmäßig entfernt werden muss, lohnt sich hier ein zweiter Blick auf die Technik. Ein Mähroboter oder ein normaler Rasenmäher mit Mulchfunktion zerkleinert die Blätter beim regulären Mähdurchgang so fein, dass sie zwischen den Halmen liegen bleiben können, ohne die Grasnarbe zu ersticken – vorausgesetzt, die Laubmenge bleibt überschaubar und wird nicht erst nach vier Wochen ungemähtem Wachstum bearbeitet.
Bei stärkerem Laubfall, etwa unter einer ausgewachsenen Kastanie oder Eiche, reicht das Mulchen allein nicht mehr aus, und dann führt kein Weg am Rechen oder am Laubsauger vorbei.
Wann welcher Baum sein Laub abwirft
Nicht alle Bäume räumen zur gleichen Zeit auf, und dieser Unterschied lässt sich für die eigene Planung nutzen. Birken und Linden verlieren ihre Blätter meist schon ab Anfang bis Mitte September, während Eichen und Buchen oft bis in den Dezember hinein zögern und manche Blätter sogar über den Winter am Ast behalten, ein Phänomen, das Botaniker als Marzeszenz bezeichnen. Wer im Garten überwiegend spät laubende Bäume stehen hat, kann die große Rechrunde also getrost noch zwei bis drei Wochen aufschieben, ohne dass sich dadurch mehr Arbeit ansammelt. Bei einem Mix aus früh- und spätlaubenden Arten empfiehlt sich dagegen ein zweistufiges Vorgehen: einmal Mitte bis Ende September für die ersten Bäume, ein zweites Mal im November für den Rest.
Rechen, Laubsauger oder Laubbläser?
Ein einfacher Fächerrechen aus Federstahl oder Kunststoff kostet zwischen zehn und dreißig Euro, verursacht keinen Lärm und reicht für die meisten Hausgärten völlig aus. Elektrische Laubsauger mit Häckselfunktion, wie sie unter anderem von Bosch oder Gardena angeboten werden, liegen preislich meist zwischen achtzig und hundertfünfzig Euro und reduzieren das Laubvolumen beim Einsaugen auf etwa ein Zehntel, was das anschließende Kompostieren erheblich erleichtert. Reine Laubbläser ohne Sammel- und Häckselfunktion verschieben das Problem dagegen nur von einer Ecke des Gartens in die nächste und sind aus unserer Sicht ihr Geld selten wert. Die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung schränkt den Einsatz von Laubbläsern und Laubsaugern ohnehin ein: An Sonn- und Feiertagen ist ihr Betrieb ganztägig untersagt, werktags ist er nur innerhalb bestimmter, von der Kommune festgelegter Zeitfenster erlaubt. Für kleine bis mittlere Gärten ist der Rechen deshalb die bessere Wahl – er kostet weniger, funktioniert bei jedem Wetter und lässt sich nicht durch eine Ruhezeitverordnung ausbremsen, wenn am Sonntagvormittag plötzlich die Zeit knapp wird.
Laubkompost richtig ansetzen
Reines Laub verrottet langsam, weil es viel Kohlenstoff, aber wenig Stickstoff enthält, und ein Haufen aus purem Laub kann daher gut zwei Jahre brauchen, bis daraus feiner, dunkler Humus wird. Wer den Prozess beschleunigen möchte, mischt das Laub mit stickstoffreichem, grünem Material wie frischem Rasenschnitt, Gemüseresten aus der Küche oder abgeblühten Staudenresten im Verhältnis von etwa drei Teilen Laub zu einem Teil Grünmaterial. Diese Mischung sollte locker aufgeschichtet und nicht festgetreten werden, damit ausreichend Luft an das Material gelangt; ein zu dicht gepresster Haufen fault statt zu kompostieren und riecht entsprechend unangenehm nach wenigen Wochen. Wer nach zwölf bis achtzehn Monaten krümeligen, erdig riechenden Kompost in den Händen hält, hat alles richtig gemacht.
Reiner, langsam verrotteter Laubkompost – auch als Laubmulm oder Blattkompost bekannt – eignet sich besonders gut für Rhododendren, Hortensien, Heidelbeeren und andere Pflanzen, die einen sauren, humosen Boden bevorzugen. Eine Ausnahme unter den Laubsorten bilden allerdings Walnussblätter: Sie enthalten die Substanz Juglon, die das Wachstum vieler anderer Pflanzen hemmt, und sollten deshalb nur in kleinen Mengen und gut vermischt mit anderem Material auf den Kompost wandern, niemals als reiner Mulch direkt auf Beeten. Auch Blätter von kranken Bäumen, etwa mit deutlichem Mehltau- oder Schorfbefall, gehören eher in die kommunale Biotonne als auf den eigenen Kompost, weil die Sporen den nächsten Kompostdurchgang oft unbeschadet überstehen.
Was Sie beim Umgang mit Laub besser lassen sollten
Verbranntes Laub riecht nach Herbstromantik – und ist in fast jeder deutschen Kommune schlicht verboten.
- Laub verbrennen: Das offene Verbrennen von Garten- und Laubabfällen im Siedlungsgebiet ist in den meisten Gemeinden untersagt, unter anderem wegen der Feinstaubbelastung und der Brandgefahr für angrenzende Grundstücke.
- Dicke, nasse Laubschichten wochenlang auf dem Rasen liegen lassen – das führt zuverlässig zu Fäulnis und kahlen Stellen, die sich erst im Folgejahr wieder schließen.
- Laub in die Kanalisation oder den Straßengully kehren; Gemeinden belegen das regelmäßig mit Bußgeldern, weil verstopfte Gullys bei Starkregen zu Überschwemmungen führen können.
- Und wer glaubt, ein einziger schwerer Regenguss würde die Laubschicht auf der Terrasse schon von selbst „wegspülen", irrt in aller Regel – das Laub verklebt eher, als dass es verschwindet.
Laub als Winterquartier: ein Kompromiss, der sich lohnt
Ein perfekt aufgeräumter, laubfreier Garten sieht im Oktober vielleicht ordentlich aus, bietet aber weder Insekten noch Igeln irgendeinen Rückzugsort für die kalte Jahreszeit. Wer stattdessen bewusst zwei oder drei Ecken des Gartens – etwa unter der Hecke, hinter dem Kompost oder an einer wenig genutzten Grundstücksgrenze – bis zum Frühjahr unberührt lässt, gibt Igeln, Kröten und zahllosen Käferarten genau den Unterschlupf, den ein durchgestylter Ziergarten sonst nicht mehr hergibt. Diese Flächen müssen weder groß noch besonders sichtbar sein; ein Haufen von der Größe eines Wäschekorbs reicht für einen überwinternden Igel bereits aus.
Verzichten Sie in diesen Bereichen bewusst auf den Laubsauger und greifen Sie höchstens zum Rechen, um grobe Äste oder größere Zweige zu entfernen, ohne die Blattschicht selbst zu stören. Die bessere Strategie für Mitte September ist also nicht das eine oder das andere, sondern eine klare Aufteilung des Gartens in Flächen, die laubfrei bleiben müssen, und Flächen, die von liegen gelassenem Laub messbar profitieren – und genau diese Aufteilung entscheidet am Ende darüber, wie viel Arbeit der Herbst tatsächlich macht.