Ende Juni steht die Sonne mittags so hoch, dass mein Südbalkon zwischen zwölf und vier Uhr zur Bratpfanne wird. Letztes Jahr habe ich zwei Tomatenpflanzen in dieser Zeit verloren - die Blätter rollten sich ein, die Erde war nachmittags staubtrocken, obwohl ich morgens gegossen hatte. Dieses Jahr gehe ich anders vor, und der Balkon ist trotz Hochsommer voll und grün geblieben. Hier kommt, was bei mir auf knapp drei Quadratmetern Westausrichtung tatsächlich funktioniert.
Erst die richtigen Pflanzen, dann das schöne Bild
Der Fehler vieler Balkonbesitzer im Hochsommer: Sie kaufen, was im Gartencenter gerade blüht. Geranien und Petunien sehen Anfang Juni toll aus, brauchen bei voller Sonne aber täglich Wasser, manchmal zweimal. Wer berufstätig ist oder im Juli zwei Wochen wegfährt, hat dann ein Problem.
Ich setze inzwischen auf Pflanzen, die Hitze gewohnt sind. Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian und Lavendel kommen mit Trockenheit klar - sie stammen aus Regionen, in denen es im Sommer wochenlang nicht regnet. Dazu Portulakröschen und Mittagsblumen, die ihre Blüten erst bei praller Sonne öffnen. Wer es essbar mag: Mangold und Buschbohnen halten erstaunlich viel aus, und Chili fühlt sich in der Hitze richtig wohl. Hortensien dagegen würde ich auf einem Südbalkon nicht mehr probieren - die hängen schon bei 30 Grad schlapp, egal wie viel man gießt.
Das Geheimnis liegt im Topf, nicht in der Gießkanne
Kleine Töpfe heizen sich auf und trocknen aus, bevor man Feierabend hat. Ein Topf mit zehn Litern Erde puffert die Hitze deutlich besser als drei kleine mit je drei Litern. Seit ich auf größere Gefäße umgestiegen bin, muss ich an normalen Sommertagen nur noch einmal täglich gießen.
Zwei Dinge haben bei mir den größten Unterschied gemacht. Erstens: Terrakotta sieht zwar schön aus, saugt aber Wasser aus der Erde und gibt es nach außen ab - im Hochsommer ein Nachteil. Kunststoff oder glasierte Töpfe halten die Feuchtigkeit länger. Zweitens: eine Mulchschicht aus Rindenhäcksel oder Tongranulat oben auf der Erde. Sie hält die Verdunstung in Grenzen und schützt die Wurzeln vor der direkten Sonne. Das klingt nach Kleinigkeit, spart aber spürbar Wasser.
Wer im Urlaub ist, kommt um eine Bewässerungslösung kaum herum. Tonkegel mit einer umgedrehten Weinflasche reichen für ein verlängertes Wochenende. Für längere Abwesenheit lohnt ein kleines Tropfsystem mit Zeitschaltuhr - bei Gardena oder im Baumarkt gibt es Sets schon für rund 40 bis 60 Euro, die man an den Außenwasserhahn oder einen Vorratskanister anschließt.
Schatten schaffen, ohne den Balkon zuzubauen
Pflanzen und Mensch leiden im Hochsommer an derselben Stelle: zu viel direkte Mittagssonne. Eine Markise ist die komfortabelste Lösung, aber teuer und bei Mietwohnungen oft nicht erlaubt. Günstiger und flexibler ist ein Sonnensegel, das man zwischen Geländer und Hauswand spannt. Es nimmt der Mittagshitze die Spitze, lässt aber morgens und abends Licht durch.
Bei mir hat sich ein zweistufiges Vorgehen bewährt. Ein Sonnensegel über dem Sitzbereich für mich, und ein Schattenspender aus höheren Pflanzen für die empfindlichen Töpfe dahinter. Ein Säulen-Ahorn im Kübel oder hochgewachsenes Ziergras wirft am Nachmittag genug Schatten, dass die kleineren Kräuter darunter nicht verbrennen. So nutze ich die robusten Sonnenpflanzen als natürlichen Sonnenschutz für die heikleren.
Eine Rankhilfe mit Feuerbohnen oder einer Clematis am Geländer kühlt zusätzlich - das Laub verdunstet Wasser und senkt die Temperatur in seiner unmittelbaren Umgebung. Nach einem heißen Nachmittag merke ich den Unterschied deutlich, wenn ich neben der begrünten Seite stehe statt vor dem nackten Metallgeländer.
Wann gießen, und wie viel
Mittags zu gießen ist der Klassiker unter den Fehlern. Das Wasser verdunstet zum Teil sofort, und Tropfen auf den Blättern können wie kleine Brenngläser wirken. Besser am frühen Morgen, dann ist die Pflanze für den heißen Tag gerüstet. Wer abends gießt, riskiert bei manchen Arten Pilzbefall, weil die Blätter über Nacht feucht bleiben.
Eine einfache Faustregel: lieber seltener, dafür durchdringend. Ein kurzer Schluck befeuchtet nur die oberste Schicht, die Wurzeln wachsen dann nach oben statt in die Tiefe und werden noch hitzeempfindlicher. Wenn ich gieße, dann so lange, bis unten aus dem Topf Wasser läuft. Den Untersetzer leere ich danach allerdings, denn Staunässe vertragen die meisten Balkonpflanzen noch schlechter als kurze Trockenheit.
Mit dieser Mischung - hitzefeste Pflanzen, größere Töpfe, eine Mulchschicht und ein bisschen Schatten zur richtigen Zeit - übersteht mein Balkon den Hochsommer inzwischen ohne Drama. Und das Beste: Abends, wenn die Sonne tiefer steht und der Lavendel duftet, ist genau dieser Balkon der angenehmste Platz der ganzen Wohnung.