Regenwasser

Regenwasser im Garten nutzen: Was sich wirklich lohnt

Regentonne, Zisterne oder Erdtank – wer Regenwasser im Garten sammelt, spart Trinkwasser und Geld. So gelingt der Einstieg ohne teure Fehlkäufe.

Regenwasser im Garten nutzen: Was sich wirklich lohnt

Der Wasserhahn tropft leer – und die Regentonne steht ungenutzt daneben

In vielen deutschen Kommunen wurde in den vergangenen zwei Sommern zeitweise ein Bewässerungsverbot für Rasenflächen verhängt, während gleichzeitig literweise Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation floss. Wer seinen Garten durch drei Hitzewochen bringen will, ohne bei jedem Gießen auf die Wasseruhr zu schielen, kommt an einer eigenen Regenwassernutzung kaum noch vorbei. Das Prinzip ist uralt – schon die Großeltern hatten eine Tonne unter der Dachrinne –, aber die heutigen Systeme leisten deutlich mehr als das schlichte Fass von damals. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern Dachfläche fängt bei 800 Litern Jahresniederschlag pro Quadratmeter theoretisch fast 100.000 Liter Wasser ein – genug, um einen mittelgroßen Garten mehrere Monate zu versorgen, ohne einen einzigen Tropfen Trinkwasser anzurühren. Wie viel davon tatsächlich in der Tonne landet, hängt allerdings stark von Dachneigung, Material und der Größe der Regenrinne ab, und genau hier lohnt sich ein genauerer Blick, bevor Geld in die falsche Anlage fließt.

Wir empfehlen, das Thema nicht erst dann anzugehen, wenn der nächste Hitzesommer schon da ist. Zisternen und gute Regentonnen sind im Frühjahr oft wochenlang ausverkauft, weil alle gleichzeitig reagieren, sobald die ersten trockenen Wochen kommen. Wer im Herbst oder Winter plant, bekommt bessere Auswahl, niedrigere Preise und hat die Anlage rechtzeitig vor der ersten Trockenperiode betriebsbereit. Handwerker, die Zisternen einbauen, sind in dieser ruhigeren Jahreszeit zudem deutlich schneller verfügbar als im Mai, wenn jeder Garten gleichzeitig umgerüstet werden soll.

Regentonne, Erdtank oder Zisterne: drei sehr unterschiedliche Lösungen

Die klassische Regentonne aus Kunststoff oder Terracotta-Optik für 200 bis 300 Liter kostet zwischen 60 und 150 Euro und reicht für Balkonpflanzen, Hochbeete und kleine Rabatten. Gardena und Graf bieten hier solide Modelle mit Ablasshahn und Überlaufschutz. Reicht der Garten über 100 Quadratmeter, wird eine einzelne Tonne schnell zum Flaschenhals, denn sie ist nach einem kräftigen Gießdurchgang oft binnen Minuten leer.

Der oberirdische Erdtank oder die unterirdische Zisterne lösen genau dieses Problem. Ein 1.500-Liter-Flachtank von Graf oder Rewatec, unauffällig an der Grundstücksgrenze vergraben, kostet inklusive Pumpe und Einbau je nach Bodenbeschaffenheit zwischen 2.500 und 4.500 Euro. Wer größer plant, findet Betontanks ab 3.000 Litern, die sich sogar an die Toilettenspülung anschließen lassen – dazu gleich mehr. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eine dritte, oft übersehene Option: mehrere kleinere Tonnen an verschiedenen Dachabläufen, verbunden mit einem einfachen Überlaufsystem. Das verteilt das gesammelte Wasser näher an den Stellen, wo es tatsächlich gebraucht wird, und macht schwere Schlauchwege durch den ganzen Garten überflüssig.

Filter entscheiden über Geruch, Algen und Pumpenlebensdauer

Unbehandeltes Dachwasser bringt Laub, Vogelkot, Pollen und Moosreste mit – ohne Filterung wird jede Regentonne binnen weniger Wochen zur trüben, riechenden Brühe. Ein einfacher Fallrohrfilter, der zwischen 15 und 40 Euro kostet, hält grobe Verschmutzung bereits am Fallrohr zurück, bevor das Wasser überhaupt in die Tonne läuft. Bei Zisternen kommt zusätzlich ein sogenannter First-Flush-Diverter zum Einsatz, der den besonders schmutzigen ersten Schwall nach längerer Trockenheit automatisch ausspült, statt ihn mit einzulagern.

Wichtig ist die vollständige Lichtabdichtung des Behälters – jede Ritze, durch die Sonnenlicht eindringt, führt früher oder später zu Algenwachstum. Dunkelgrüne oder anthrazitfarbene Tonnen sind hier klar im Vorteil gegenüber durchscheinenden Modellen, auch wenn Letztere oft günstiger im Baumarktregal liegen. Wer schon eine helle Tonne besitzt, kann sie problemlos mit einer lichtundurchlässigen Plane oder Farbe nachrüsten, statt gleich neu zu kaufen. Auch ein feines Fliegengitter über der Einlauföffnung gehört dazu, denn offene Tonnen werden im Sommer zuverlässig zur Kinderstube für Stechmücken.

Wofür Regenwasser sich eignet – und wo Sie besser Abstand halten

Regenwasser ist für nahezu alles im Garten geeignet: Beete, Rasen, Kübelpflanzen, Hochbeete, sogar den Autowaschplatz auf der Einfahrt. Es ist zudem kalkarm, was besonders rhododendron- und hortensienfreundlich ist, denn diese Pflanzen reagieren empfindlich auf das harte Leitungswasser vieler deutscher Regionen. Bei einer angeschlossenen Zisterne mit entsprechender Aufbereitung lässt sich das Wasser auch für die Toilettenspülung und die Waschmaschine nutzen – das spart nach Angaben mehrerer Verbraucherzentralen bis zu 50 Prozent des gesamten Trinkwasserverbrauchs eines Haushalts.

Als Trinkwasser taugt gesammeltes Regenwasser dagegen nicht, auch nicht nach Filterung mit haushaltsüblichen Systemen – Keime und Schwermetalle aus der Dachfläche lassen sich damit nicht zuverlässig entfernen. Vermeiden Sie Regenwasser aus Dachrinnen unter Bitumen- oder Zinkdeckung für essbare Pflanzen im direkten Kontakt, etwa beim Gießen von Salat und Erdbeeren direkt auf das Blattwerk; hier gießt man besser an der Wurzel statt über Kopf. Interessant wird es bei älteren Häusern mit Ziegeldach aus den Siebzigerjahren: Manche dieser Dachziegel enthalten noch Rückstände alter Beschichtungen, sodass ein Blick in die Bauunterlagen oder ein kurzer Anruf beim Denkmalamt vor der ersten Ernte für den Gemüsegarten nicht schaden kann.

Was das Wasserrecht wirklich verlangt

Für die reine Gartenbewässerung braucht es in Deutschland keine gesonderte Genehmigung – Regentonne und Gartenzisterne dürfen ohne Meldung an das Wasserwerk installiert werden. Anders sieht es aus, sobald Regenwasser innerhalb des Hauses genutzt wird, etwa für Toilette oder Waschmaschine: Nach DIN 1989 muss eine solche Regenwassernutzungsanlage beim örtlichen Wasserversorger angezeigt werden, und die Trinkwasserleitung muss durch ein System nach DIN EN 1717 zuverlässig von der Regenwasserleitung getrennt bleiben. Diese Trennung ist kein bürokratisches Beiwerk, sondern verhindert, dass verunreinigtes Wasser in das öffentliche Trinkwassernetz zurückfließen kann.

Ein Punkt wird beim Planen häufig übersehen: Wer viel Regenwasser im Garten verbraucht, zahlt trotzdem oft für Abwasser mit, weil viele Kommunen die Abwassergebühr pauschal am Frischwasserbezug bemessen. Ein separater Gartenwasserzähler, den das örtliche Wasserwerk für rund 80 bis 150 Euro Einbaukosten installiert, dokumentiert den Verbrauch, der nicht in die Kanalisation zurückfließt, und senkt die Abwasserrechnung entsprechend. Ohne diesen Zähler zahlt man de facto doppelt: einmal für das gesparte Trinkwasser, das man gar nicht bezogen hat, und ein zweites Mal indirekt über eine Abwassergebühr, die den tatsächlichen Verbrauch nicht widerspiegelt. Wer die Anlage neu plant, sollte den Zähler daher direkt mit beauftragen – die Nachrüstung ist zwar möglich, aber meist teurer als der Einbau während der ohnehin schon offenen Grabenarbeiten.

Rechnet sich die Anschaffung überhaupt?

Bei einem Frischwasserpreis von durchschnittlich 2,20 Euro pro Kubikmeter plus Abwassergebühr summiert sich der Wasserverbrauch eines gießintensiven Gartens im Sommer schnell auf 150 bis 300 Euro pro Saison. Eine einfache Regentonne amortisiert sich damit oft schon nach der ersten oder zweiten Saison. Bei einer Zisterne mit Hausanschluss dauert es länger – realistisch zwischen fünf und acht Jahren, je nach Haushaltsgröße und regionalem Wasserpreis –, aber die Anlage hält bei fachgerechter Wartung deutlich länger als zwanzig Jahre. Wer ohnehin eine Dachsanierung oder einen Garten- und Terrassenumbau plant, sollte die Zisterne direkt mit einplanen: Die Erdarbeiten sind dann bereits im Gange, und der Grabenaushub fällt kaum ins Gewicht.

Manche Kommunen und einzelne Bundesländer fördern die Installation zusätzlich mit Zuschüssen von 200 bis 500 Euro pro Anlage, allerdings mit stark schwankenden Bedingungen und oft begrenztem Jahresbudget. Ein kurzer Anruf beim zuständigen Umweltamt vor dem Kauf lohnt sich fast immer – wer zu früh bestellt und erst danach nach Förderung fragt, geht in vielen Programmen leer aus, weil der Antrag vor Auftragserteilung gestellt werden muss.

So starten Sie ohne teure Fehlkäufe

  1. Dachfläche und jährliche Niederschlagsmenge der Region grob berechnen, um die passende Behältergröße zu wählen.
  2. Fallrohrfilter direkt am ersten Regentag installieren, nicht erst, wenn das Wasser bereits trüb geworden ist.
  3. Bei mehr als 1.000 Litern Speichervolumen von Anfang an eine Tauchpumpe mit ausreichender Förderhöhe einplanen, sonst reicht der Wasserdruck am Schlauchende kaum aus.
  4. Überlauf konsequent in den Garten statt in den Kanal leiten – ein Sickerschacht oder ein bepflanztes Beet am Ablauf nutzt jeden Liter doppelt.
  5. Vor dem ersten Winter die Leitungen entleeren und den Außenhahn frostsicher abdrehen, sonst platzen Schläuche und Verbindungsstücke bei den ersten Frostnächten.

Und dann einfach ausprobieren, welche Pflanzen im eigenen Garten am stärksten auf das weiche, kalkfreie Wasser reagieren – bei den meisten Hobbygärtnern sind es am Ende genau die Pflanzen, die vorher am meisten gekümmert haben.