Garten

Einkochen, Einlegen, Fermentieren: Was mit der Tomaten- und Zucchini-Schwemme im August wirklich hilft

Tomaten, Zucchini und Pflaumen reifen im August gleichzeitig. Ein Überblick über Einkochen, Einlegen und Fermentieren – und den einen Fehler, der Vorräte gefährlich machen kann.

Einkochen, Einlegen, Fermentieren: Was mit der Tomaten- und Zucchini-Schwemme im August wirklich hilft

Wer einen Schrebergarten, ein Hochbeet oder auch nur zwei Tomatenpflanzen auf dem Balkon hat, kennt das Problem Ende Juli, Anfang August ziemlich genau: Tomaten, Zucchini, Gurken und die ersten Pflaumen reifen praktisch gleichzeitig, und die Küchenarbeitsplatte verwandelt sich innerhalb weniger Tage in ein kleines Lagerhaus. Kaum jemand schafft es, zwei Kilo Zucchini pro Woche allein durch Kochen und Braten zu verarbeiten, bevor die nächste Ladung nachwächst. Genau deshalb lohnt sich jetzt ein nüchterner Blick auf die drei klassischen Methoden, mit denen deutsche Küchen die Erntewelle seit Generationen überstehen: Einkochen, Einlegen und Fermentieren. Sie unterscheiden sich in Aufwand, Haltbarkeit und Sicherheit deutlich mehr, als die meisten Hobbygärtner vermuten, und wer die falsche Methode für das falsche Gemüse wählt, verliert am Ende entweder Geschmack oder – im schlimmsten Fall – die Sicherheit des ganzen Glases. Am besten fahren Sie deshalb, wenn Sie sich vor dem ersten Kochtopf einmal grob überlegen, welche Ernte in welches Verfahren wandern soll, statt einfach loszulegen. Wer letztes Jahr schon einmal mit einer Kiste überreifer Tomaten dastand und nicht wusste, wohin damit, wird die folgenden Abschnitte vermutlich mit einem gewissen Wiedererkennen lesen.

Welches Gemüse zu welcher Methode passt

Tomaten eignen sich hervorragend zum Einkochen, vor allem als passierte Sauce oder halbierte Früchte in eigenem Saft, weil ihr natürlicher Säuregehalt das Verfahren zusätzlich absichert. Zucchini dagegen wird beim klassischen Einkochen schnell matschig und verliert praktisch jeden Biss – hier fahren die meisten Hobbyköche besser, wenn sie das Gemüse roh raspeln und direkt einfrieren, statt Zeit und Gläser für ein enttäuschendes Ergebnis zu verschwenden. Gurken gehören traditionell ins Essigglas oder in den Gärtopf, während Pflaumen als Kompott oder Marmelade zu den zuverlässigsten Einkoch-Kandidaten überhaupt zählen, weil ihr Fruchtzucker die Haltbarkeit von innen heraus unterstützt. Paprika und Auberginen liegen dazwischen: Sie lassen sich sowohl in Essig einlegen als auch grob gewürfelt einkochen, entwickeln aber je nach Methode einen spürbar anderen Geschmack, weshalb es sich lohnt, von derselben Sorte ruhig einmal beide Varianten parallel auszuprobieren. Ernten Sie außerdem möglichst am frühen Morgen, wenn die Temperaturen noch niedrig sind, denn Gemüse, das mittags in praller Sonne gepflückt wird, hat bereits Wasser verloren und lässt sich schlechter portionieren. Wer unsicher ist, sollte im Zweifel kleinere Mengen in mehreren Testgläsern verarbeiten, statt gleich den gesamten Erntekorb auf eine Methode festzulegen.

Einkochen im Weck-Glas: die klassische Methode mit Tücken

Beim Einkochen wird das Gemüse im verschlossenen Glas erhitzt, bis im Inneren ein Unterdruck entsteht, der den Deckel dauerhaft ansaugt – deshalb stammt der bekannte Marktführer für Einkochgläser in Deutschland auch aus Bonn: Weck produziert seine Ringgläser seit über hundert Jahren nahezu unverändert. Für Tomatensauce, Kompott oder klassisches Gemüse in Salzlake reichen meist 30 bis 90 Minuten im Wasserbad bei rund 90 Grad, je nach Glasgröße und Füllgut. Prüfen Sie nach dem Abkühlen zwingend, ob sich der Deckel beim Antippen wölbt oder nachgibt, denn ein Glas ohne hörbares „Ping" beim Öffnen des Verschlusses war nie richtig dicht und gehört nicht in den Vorratsschrank.

Gläser richtig vorbereiten, bevor überhaupt etwas hineinkommt

Sterilisieren Sie leere Gläser entweder zehn Minuten im auf 140 Grad vorgeheizten Backofen oder ebenso lange in kochendem Wasser, denn selbst winzige Essensreste am Glasrand reichen aus, um später Schimmel anzusetzen. Verwenden Sie außerdem für jedes Einkochen neue Gummiringe statt die alten aus dem Vorjahr weiterzubenutzen, weil das Material mit der Zeit spröde wird und dann nicht mehr zuverlässig abdichtet – ein Zehnerpack kostet im Drogeriemarkt selten mehr als zwei bis drei Euro und ist damit die günstigste Versicherung gegen verdorbene Vorräte. Kontrollieren Sie zudem jeden Glasrand vor dem Befüllen auf kleine Absplitterungen, an denen sich später Bakterien festsetzen können, obwohl der Deckel äußerlich vollkommen dicht wirkt. Auch die Klammern, mit denen der Deckel während des Kochens fixiert wird, verdienen einen kurzen Blick: Ist die Federspannung erkennbar nachgelassen, hält sie den Deckel im Wasserbad nicht mehr zuverlässig genug, und das Glas läuft während des Kochens langsam voll. Wer diese kleinen Kontrollen zur Routine macht, spart sich im Herbst das ärgerliche Aufräumen eines geplatzten oder ausgelaufenen Glases im Vorratsschrank.

Einlegen in Essig: schnell, aber nur mit der richtigen Säure

Eingelegtes Gemüse braucht keine Wärmebehandlung wie das Einkochen, sondern setzt allein auf den niedrigen pH-Wert von Essig, um Bakterien am Wachsen zu hindern. Verzichten Sie deshalb konsequent darauf, den Essig mit zu viel Wasser oder Zucker zu verdünnen, nur weil das Ergebnis milder schmecken soll – eine Säurekonzentration von mindestens fünf Prozent im fertigen Sud ist die Grenze, unter der Sie nicht gehen sollten. Gurken, kleine Zwiebeln und grüne Bohnen eignen sich besonders gut, weil ihre feste Struktur den Essigsud auch nach Wochen im Kühlschrank noch angenehm knackig hält.

Fermentieren ist die am meisten unterschätzte Option

Beim Fermentieren übernehmen Milchsäurebakterien die Arbeit, die beim Einkochen die Hitze und beim Einlegen der Essig erledigt – das Ergebnis sind Klassiker wie Sauerkraut, aber auch fermentierte Bohnen oder Gurken im traditionellen Gärtopf. Eine Salzlake von etwa zwei Prozent des Gemüsegewichts reicht meist aus, damit sich innerhalb weniger Tage bei Zimmertemperatur die gewünschten Bakterienkulturen durchsetzen und unerwünschte Fäulniserreger verdrängen. Der Nachteil: Fermentiertes braucht Geduld, zwischen fünf Tagen für milde Gurken und mehreren Wochen für ein kräftiges Sauerkraut, und schmeckt naturgemäß säuerlicher, als viele es aus dem Supermarktglas gewohnt sind.

Der eine Fehler, der Einkochen gefährlich macht

Selbst hergestelltes Knoblauchöl bei Zimmertemperatur ist eine der unterschätztesten Gefahrenquellen in deutschen Küchen.

Rohe Kräuter oder Knoblauchzehen in Öl eingelegt und ungekühlt aufbewahrt, bieten dem Bakterium Clostridium botulinum ideale Bedingungen, weil Öl den Sauerstoff fernhält, den die meisten anderen Keime zum Überleben brauchen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt seit Jahren ausdrücklich davor, selbstgemachtes Kräuter- oder Knoblauchöl länger als wenige Tage außerhalb des Kühlschranks zu lagern, weil das Gift geruchs- und geschmacksneutral bleibt, bis die Vergiftung längst eingesetzt hat. Bei klassischem Einkochen von Gemüse mit wenig Säure – etwa Bohnen oder Mais – gilt dieselbe Vorsicht: Ohne Druckkochtopf erreichen Sie im normalen Wasserbad nicht die 121 Grad, die zum sicheren Abtöten der Sporen nötig wären, weshalb solche Gemüsesorten entweder stark gesäuert, im Druckkochtopf verarbeitet oder besser eingefroren werden sollten. Ein Druckkochtopf wie die bekannten Modelle von Fissler schafft diese Temperatur zuverlässig und ist damit die einzige wirklich sichere Wahl für säurearmes Gemüse in großen Mengen. Ein gewölbter oder aufgeblähter Deckel, ein zischendes Geräusch beim Öffnen oder ein müffelnder Geruch sind eindeutige Signale, ein Glas ungeöffnet zu entsorgen, statt vorsichtig zu probieren, ob es „noch geht". Wer regelmäßig einkocht, sollte sich außerdem angewöhnen, jedes Glas mit Datum und Inhalt zu beschriften, weil sich nach drei oder vier Monaten im Regal kaum noch zuverlässig erinnern lässt, welches Kompott zuerst reif für den Verzehr ist. Kühl, dunkel und ohne direkten Bodenkontakt gelagert, halten sich richtig eingekochte, säurehaltige Gläser meist zwölf bis achtzehn Monate – deutlich länger, als die meisten Hobbyköche ihrem eigenen Vorrat zutrauen.

Was sich einfrieren statt einkochen lohnt

Nicht jede Ernte gehört ins Glas: Zucchini roh raspeln, portionsweise in Gefrierbeutel füllen und flach einfrieren, spart im Winter Zeit beim Kochen von Suppen und Aufläufen, ohne dass vorher stundenlang eingekocht werden muss. Bohnen und Erbsen sollten Sie vor dem Einfrieren kurz blanchieren, also für zwei bis drei Minuten in kochendes Wasser geben und danach sofort in Eiswasser abschrecken, weil sich dadurch Farbe, Vitamingehalt und Biss deutlich besser erhalten als beim direkten Einfrieren roher Ware. Kräuter wie Basilikum oder Petersilie lassen sich fein gehackt mit etwas Olivenöl in Eiswürfelformen einfrieren – praktisch für die Portionsdosierung, allerdings ohne die Haltbarkeitsprobleme des unverdünnten Knoblauchöls, solange die Würfel gefroren bleiben. Beschriften Sie auch hier jede Tüte mit Inhalt und Datum, denn tiefgefrorene Zucchiniraspel und tiefgefrorener Spinat sehen sich im Gefrierschrank erstaunlich ähnlich, sobald das Eis erst einmal angesetzt hat.

Nicht alles muss ins eigene Regal: Wer trotz Einkochen, Einlegen und Einfrieren noch immer mit Kisten voller Zucchini dasteht, findet in den meisten deutschen Städten inzwischen einen Fairteiler von Foodsharing in der Nähe, wo überschüssiges Gemüse einfach kostenlos abgestellt werden kann, statt am Ende doch im Kompost zu landen.