Der Rasensprenger steht noch im Schuppen, die Terrassenmöbel sind noch nicht abgedeckt – und trotzdem ruft der Installateurbetrieb aus der Nachbarschaft schon jetzt zur Heizungswartung auf. Klingt verfrüht, ist es aber nicht. Wer im August oder September anruft, bekommt in aller Regel noch einen Termin vor der ersten Kälteperiode. Wer bis Oktober wartet, reiht sich in eine Warteliste ein, die sich bei vielen Betrieben bis in den Dezember zieht, weil dann plötzlich alle gleichzeitig an ihre Heizung denken.
Warum der Spätsommer der eigentlich richtige Zeitpunkt ist
Handwerksbetriebe für Heizungstechnik haben im Sommer deutlich mehr freie Kapazitäten als im Herbst, weil die akuten Notfälle – die ausgefallene Heizung mitten im Winter – schlicht ausbleiben. Das bedeutet für Sie als Hausbesitzer oder Mieter mit eigener Anlage zwei Dinge: kürzere Wartezeiten und häufig auch etwas mehr Zeit, die der Fachbetrieb sich für die Anlage nimmt, statt im Akkordtempo von Termin zu Termin zu hetzen. Wir empfehlen, den Termin für die jährliche Wartung und – falls noch nicht geschehen – den hydraulischen Abgleich spätestens Anfang September zu vereinbaren. Danach füllen sich die Kalender merklich, und ausgerechnet die Maßnahmen, die am meisten bringen, geraten unter Zeitdruck, wenn sie erst im November angegangen werden.
Ein Punkt wird dabei regelmäßig unterschätzt: Der hydraulische Abgleich braucht keine laufende Heizperiode, um durchgeführt zu werden – er lässt sich technisch auch bei ausgeschalteter Anlage im Sommer vorbereiten, inklusive Berechnung der Heizlast pro Raum und Voreinstellung der Thermostatventile. Erst der Feinabgleich selbst profitiert davon, wenn die Anlage kurz anläuft, was im September ohnehin schon an kühleren Morgen möglich ist. Wer diesen Zwischenschritt in den Spätsommer vorzieht, startet im Oktober direkt mit einer fertig eingestellten Heizung statt mit einem halb abgeschlossenen Projekt.
Heizkörper entlüften: der Handgriff, den jeder selbst schafft
Bevor überhaupt ein Fachbetrieb ins Haus kommt, lohnt sich der Blick auf die eigenen Heizkörper. Gluckert es beim Aufdrehen, oder bleibt der obere Bereich des Heizkörpers kalt, während unten schon Wärme ankommt, steht Luft im System. Mit einem Vierkantschlüssel – für rund 3 bis 5 Euro im Baumarkt erhältlich – lässt sich das Entlüftungsventil an jedem Heizkörper öffnen, bis Wasser statt Luft austritt. Ein Lappen oder ein kleines Gefäß darunter verhindert, dass Wasser auf den Boden tropft.
- Heizung vollständig aufdrehen und mindestens 30 Minuten laufen lassen, bevor Sie entlüften
- Immer den Heizkörper im obersten Stockwerk zuerst entlüften, dann stockwerkweise nach unten
- Nach dem Entlüften den Wasserdruck an der Heizungsanlage prüfen – meist reicht ein Blick auf das Manometer am Kessel, das zwischen 1,0 und 1,5 bar liegen sollte
- Bei mehrfachem Entlüften über die Saison hinweg: das kann auf ein größeres Leck oder eine defekte Ausdehnungsgefäß-Membran hindeuten, und dann braucht es doch den Fachbetrieb
Entlüften kostet Sie eine halbe Stunde und nichts weiter als den Schlüssel. Trotzdem übersehen viele Haushalte genau diesen Schritt Jahr für Jahr und wundern sich dann über eine Heizung, die im Wohnzimmer kalt bleibt, während das Schlafzimmer eine Etage höher längst warm ist.
Hydraulischer Abgleich: der Punkt, der wirklich Geld spart
Während das Entlüften ein Fall für den Feierabend ist, gehört der hydraulische Abgleich in die Hände eines Fachbetriebs. Dahinter steckt eine einfache Idee mit großer Wirkung: In den meisten Bestandsanlagen strömt das Heizwasser dorthin, wo der geringste Widerstand herrscht – meist zu den Heizkörpern, die am nächsten am Kessel liegen. Die Räume am Ende der Leitung bekommen zu wenig, während die Vorlauftemperatur insgesamt höher eingestellt werden muss, damit auch das letzte Zimmer warm wird. Der Abgleich stellt jeden Heizkörper individuell auf den tatsächlichen Wärmebedarf des jeweiligen Raums ein und macht diese pauschale Übersteuerung überflüssig.
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus liegen die Kosten für einen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B – inklusive Berechnung, neuer Thermostatventile und Voreinstellung – üblicherweise zwischen 800 und 1.800 Euro, je nach Anzahl der Heizkörper und Zustand der bestehenden Ventile. Das klingt zunächst nach viel für eine Maßnahme, die niemand sieht. Der Effekt zeigt sich aber direkt auf der nächsten Heizkostenabrechnung: Bei einer bislang unausgeglichenen Anlage sind Einsparungen beim Gas- oder Ölverbrauch im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich keine Seltenheit, auch wenn die genaue Höhe stark vom Ausgangszustand der Anlage abhängt.
Der Schornsteinfeger kommt sowieso – nutzen Sie den Termin
Unabhängig davon, ob Sie mit Gas, Öl oder einer Pelletheizung heizen: Der zuständige Bezirksschornsteinfeger führt alle drei bis dreieinhalb Jahre eine sogenannte Feuerstättenschau durch, bei Öl- und Gasheizungen zusätzlich jährliche Abgasmessungen zur Kontrolle der Emissionswerte. Diese Termine sind gesetzlich vorgeschrieben und liegen meist schon lange im Voraus fest – ignorieren lässt sich der Brief mit dem Kehrbezirk-Logo also ohnehin nicht. Sinnvoll ist es, diesen ohnehin fälligen Besuch mit der jährlichen Heizungswartung zu bündeln, statt zwei separate Termine im Haus zu haben. Fragen Sie beim Schornsteinfeger direkt nach, wann Ihre nächste Feuerstättenschau ansteht – die Vor-Ort-Termine lassen sich oft flexibel innerhalb eines mehrwöchigen Fensters legen.
Wer ohnehin schon dabei ist, kann den Fachbetrieb gleich fragen, wie alt die eingebaute Umwälzpumpe ist. Das ist die Frage, die am häufigsten übersehen wird – und die am schnellsten Geld kostet.
Die alte Umwälzpumpe: der stille Stromfresser im Keller
Eine ungeregelte Standardpumpe aus den frühen 2000er-Jahren läuft rund um die Uhr mit konstanter Leistung, unabhängig davon, wie viel Wärme das Haus gerade tatsächlich braucht – typischerweise mit 60 bis 100 Watt Dauerleistung. Eine moderne Hocheffizienzpumpe mit A-Label passt ihre Leistung dagegen laufend an den Bedarf an und kommt im Schnitt auf 5 bis 15 Watt. Über eine komplette Heizsaison von rund 5.000 bis 6.000 Betriebsstunden summiert sich das zu einer Differenz von 250 bis 400 Kilowattstunden – bei aktuellen Strompreisen ein Betrag von schätzungsweise 80 bis 130 Euro pro Jahr, nur für die Pumpe selbst.
Eine neue Hocheffizienzpumpe von Herstellern wie Wilo oder Grundfos kostet inklusive Einbau meist zwischen 300 und 500 Euro. Damit amortisiert sich der Tausch je nach Strompreis und bisheriger Pumpe innerhalb von drei bis fünf Jahren – ein Zeitraum, in dem eine 20 Jahre alte Pumpe ohnehin bald an ihr technisches Lebensende kommt. Wer den Austausch aufschiebt, spart also nicht wirklich Geld, sondern verschiebt eine Ausgabe, die kommen wird, nur auf einen Zeitpunkt, an dem sie meist als Notfall auftritt.
Thermostatventile: die unterschätzte Fünf-Euro-Lösung
Alte, mechanische Thermostatventile ohne durchdachte Voreinstellung sind ein häufiger Grund, warum ein hydraulischer Abgleich überhaupt nicht richtig greift, selbst wenn er rechnerisch korrekt durchgeführt wurde. Moderne voreinstellbare Ventile – wie sie unter anderem Danfoss oder Heimeier anbieten – kosten pro Stück zwischen 15 und 30 Euro und lassen sich exakt auf den berechneten Durchfluss des jeweiligen Heizkörpers einstellen. In Kombination mit programmierbaren Thermostatköpfen, die tagsüber und nachts automatisch unterschiedliche Temperaturen fahren, ergibt sich ein Effekt, der über die reine Abgleich-Berechnung hinausgeht.
Aber was, wenn die Heizkörper im Altbau selbst nach dem Abgleich einfach nicht gleichmäßig warm werden, egal wie oft nachjustiert wird?
Dann lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Grenzen dieser Maßnahme: In Altbauten mit sehr unterschiedlich großen Heizkörpern oder mit Einrohrheizungen – bei denen alle Heizkörper eines Strangs hintereinander statt parallel angeschlossen sind – stößt der klassische hydraulische Abgleich schnell an technische Grenzen. Hier braucht es unter Umständen zusätzlich einen Strangdifferenzdruckregler oder in Einzelfällen sogar eine Umrüstung auf eine Zweirohrheizung, was die Kosten deutlich erhöht. Ein guter Fachbetrieb sagt Ihnen das vorab, statt einfach eine Standardlösung zu verkaufen, die in Ihrem Fall gar nicht richtig funktioniert.
Förderung 2026: Was sich über BAFA und KfW noch abrechnen lässt
Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die Anträge für Einzelmaßnahmen laufen über das BAFA, lassen sich Optimierungsmaßnahmen an der Bestandsheizung anteilig fördern – dazu zählen ausdrücklich der hydraulische Abgleich und der Austausch der Heizungspumpe gegen ein Hocheffizienzmodell. Die Fördersätze und genauen Bedingungen ändern sich immer wieder, deshalb ist der Antrag grundsätzlich vor Beauftragung der Arbeiten zu stellen – nicht danach, denn nachträgliche Anträge werden abgelehnt. Für größere Maßnahmen wie den Heizungstausch selbst, etwa auf eine Wärmepumpe, läuft die Förderung über die KfW und ist an zusätzliche Bedingungen wie Einkommensgrenzen für den einkommensabhängigen Bonus geknüpft.
Bevor Sie einen Antrag stellen, lohnt sich ein Termin bei einem zertifizierten Energieberater, den Sie über die Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes finden – die Erstberatung wird selbst wieder gefördert und deckt in der Regel einen Teil der Beraterkosten. Verzichten Sie darauf, den Förderantrag komplett allein zu stellen, wenn Sie zum ersten Mal mit dem BEG-Portal arbeiten: Ein erfahrener Fachbetrieb oder Energieberater kennt die aktuell gültigen Formulare und verhindert, dass ein formaler Fehler den ganzen Antrag verzögert.
Was Sie diese Woche konkret tun können
Rufen Sie noch diese Woche Ihren Heizungsfachbetrieb an und fragen Sie nach einem Termin für hydraulischen Abgleich und Wartung – idealerweise noch im September. Prüfen Sie parallel das Alter Ihrer Umwälzpumpe: Steht auf dem Typenschild ein Baujahr vor 2015, lohnt sich fast immer der Austausch. Und entlüften Sie an einem ruhigen Nachmittag alle Heizkörper im Haus, auch wenn draußen noch die Sonne scheint. Der Winter kommt so oder so – die Frage ist nur, ob Sie ihn mit einer Heizung starten, die schon eingestellt ist, oder mit einer, die Sie im Dezember zwischen zwei Handwerkerterminen improvisieren müssen.