Wenn der Vorratsschrank im Hochsommer zum Problem wird
Ende Juni, drei Tage über 30 Grad am Stück, und plötzlich krabbelt etwas in der Tüte mit Haferflocken. Wer das schon einmal erlebt hat, weiß: Im Hochsommer wird die Speisekammer zur Schwachstelle im ganzen Haushalt. Brot schimmelt nach zwei Tagen statt nach fünf, Kartoffeln treiben aus, im Mehl sitzen auf einmal kleine Tierchen, und die teure Schokolade aus dem Urlaub ist eine weiche, graue Masse geworden. Das liegt nicht an mangelnder Sauberkeit. Es liegt schlicht daran, dass Wärme jeden biologischen Prozess beschleunigt, vom Schimmelwachstum bis zur Vermehrung von Vorratsmotten. Bei 25 Grad in der Speisekammer läuft alles ungefähr doppelt so schnell ab wie bei 15 Grad im Frühjahr, und genau diese paar Grad entscheiden, ob Ihre Vorräte den August überstehen.
Die gute Nachricht: Man muss dafür keine neue Küche kaufen. Mit ein paar Vorratsdosen, der richtigen Platzierung im Schrank und etwas Wissen darüber, was wohin gehört, bleibt fast alles länger frisch. Hier kommt das, was sich in einer normalen Wohnung tatsächlich bewährt.
Der heißeste Schrank ist meistens der falsche
Bevor Sie irgendetwas umräumen, fassen Sie morgens und am späten Nachmittag einmal die Rückwände Ihrer Vorratsschränke an. Der Schrank neben dem Herd, der über dem Kühlschrank und jeder, der an einer Südwand hängt, wird im Sommer erstaunlich warm — gut und gerne 28 bis 30 Grad, während die Wohnung selbst sich noch erträglich anfühlt. Über dem Kühlschrank ist es besonders tückisch, weil das Gerät seine Abwärme nach oben abgibt. Genau dort lagern viele aus Gewohnheit Öl, Nüsse und Müsli — also ausgerechnet die Dinge, die Wärme am schlechtesten vertragen.
Räumen Sie um. Was schnell ranzig wird oder schmilzt, gehört in den kühlsten, dunkelsten Schrank, idealerweise in Bodennähe und an einer Innen- oder Nordwand. Ein Thermometer für ein paar Euro aus dem Baumarkt, das Sie ein paar Tage in den Schrank legen, sagt Ihnen mehr als jedes Bauchgefühl. Verzichten Sie darauf, Vorräte in der prallen Sonne auf der Fensterbank zu stapeln, auch wenn die Gläser dort hübsch aussehen — Sonnenlicht zerstört das Vitamin in Speiseöl und macht Gewürze fad.
Was wohin gehört — und was viele falsch machen
Die meisten Verluste im Sommer entstehen, weil ein paar Lebensmittel am falschen Ort liegen. Hier die Fälle, bei denen es sich wirklich lohnt, genau hinzuschauen:
- Mehl, Haferflocken, Reis, Nudeln: luftdicht in Glas oder Dose. Vorratsmotten kommen oft schon als Eier in der Verpackung aus dem Supermarkt mit und schlüpfen erst, wenn es warm genug ist. Eine zugeklappte Papiertüte hält sie nicht auf.
- Brot gehört im Hochsommer entgegen dem Bauchgefühl trotzdem nicht in den Kühlschrank — dort wird es schneller altbacken. Ein Brotkasten mit kleinen Luftlöchern an einem kühlen Ort ist besser. Wer mehr gekauft hat, friert eine Hälfte frisch ein und holt sie scheibenweise heraus.
- Kartoffeln und Zwiebeln brauchen Dunkelheit, Luft und Kühle, aber niemals nebeneinander: Zwiebeln geben Feuchtigkeit ab und lassen Kartoffeln schneller faulen. Getrennte Körbe, kein Plastikbeutel.
- Schokolade, Nüsse, kaltgepresste Öle dürfen bei dauerhaft über 25 Grad in den Kühlschrank. Schokolade bekommt zwar einen grauen Belag, das ist aber nur ausgetretene Kakaobutter und völlig harmlos.
- Und Honig zum Beispiel ist eine Ausnahme, über die sich niemand Sorgen machen muss — der hält bei jeder Temperatur praktisch ewig, wird höchstens fester oder flüssiger.
Ein Punkt, der oft untergeht: Auch ungeöffnete Konserven mögen die Hitze nicht. In einem 30 Grad warmen Schrank baut sich der Inhalt schneller ab, und bei Tomaten oder Sauerkraut kann sich in seltenen Fällen sogar der Deckel wölben. Konserven gehören deshalb in den kühlen Teil des Vorrats, nicht in den Schrank über dem Backofen.
Vorratsmotten: das Sommerproblem schlechthin
Wenn Sie im Juli kleine, etwa einen Zentimeter große Falter durch die Küche schwirren sehen, ist es meistens schon zu spät für Vorbeugung — dann geht es um Schadensbegrenzung. Die Larven der Dörrobstmotte fressen sich durch Mehl, Müsli, Trockenfrüchte und sogar durch Tierfutter, und sie hinterlassen feine Gespinste, die wie Spinnweben aussehen. Sobald Sie die in einer Packung entdecken, hilft kein Aussieben: Die ganze Packung muss raus, am besten direkt in die Außentonne, nicht in den Küchenmülleimer, wo die Motten weiterleben.
Danach räumen Sie den befallenen Schrank komplett leer und wischen ihn mit Essigwasser aus, besonders die Ritzen und Bohrlöcher der Regalträger, denn dort verpuppen sich die Larven gern. Pheromonfallen aus dem Drogeriemarkt — bei dm oder Rossmann für rund 5 bis 8 Euro für ein Set — fangen die Männchen und zeigen vor allem, ob Sie das Problem im Griff haben. Sie ersetzen aber nicht das Ausräumen. Wer ganz sicher gehen will, legt neu gekauftes Mehl für vier Tage ins Gefrierfach; das tötet eventuelle Eier zuverlässig ab, bevor sie überhaupt schlüpfen können.
Dosen, Gläser und der Trick mit dem Datum
Luftdichte Behälter sind im Sommer keine Deko, sondern der wirksamste Einzelschutz, den Sie haben. Glas ist Kunststoff vorzuziehen, weil es Gerüche nicht annimmt und sich heiß ausspülen lässt. Praktisch sind die klassischen Bügelgläser, etwa von Weck oder die Vorratsgläser der Ikea-Reihe Korken, die mit Gummidichtung wirklich dicht schließen — ein einfaches Schraubglas vom Sugo reicht für trockene Ware ebenso. Schreiben Sie das Einfülldatum mit einem Stück Kreppband auf den Deckel, dann müssen Sie nicht rätseln, wie alt der Reis darin ist.
Halten Sie es beim Nachfüllen sauber: Geben Sie niemals frisches Mehl auf einen alten Rest im selben Glas, ohne es vorher auszuwaschen. In dem alten Rest sitzt womöglich genau das, was Sie loswerden wollten, und Sie impfen die frische Ware damit. Klingt pingelig, spart Ihnen aber im August die Hälfte der Arbeit.
Verschimmeltes Brot übrigens nie einfach an der Schimmelstelle abschneiden und den Rest essen — bei weichem Brot ziehen sich die Pilzfäden längst durch den ganzen Laib, auch wenn man sie nicht sieht. Die paar Cent für eine neue Packung sind das Risiko nicht wert.
Ein Sommervorrat, der mitdenkt
Die ehrlichste Regel zum Schluss: Kaufen Sie im Hochsommer kleiner ein. Der Großeinkauf mit drei Kilo Mehl und sechs Packungen Müsli ist im Winter sinnvoll, im Juli arbeitet er gegen Sie, weil schlicht zu viel zu lange offen herumsteht. Lieber öfter und in kleineren Mengen, dafür mit kurzen Wegen vom Geschäft nach Hause — eine Kühltasche im Auto für die fünfzehn Minuten Fahrt klingt übertrieben, rettet aber bei 32 Grad die Butter und die Schokolade.
Stellen Sie sich für die nächsten Wochen einen festen Tag in der Woche, an dem Sie kurz durch den Vorratsschrank gehen: nach vorne holen, was bald abläuft, riechen, fühlen, eine Packung wegwerfen, bevor sie den Rest ansteckt. Zehn Minuten reichen. Wer das durchhält, kommt durch den heißesten Monat des Jahres, ohne im September festzustellen, dass die halbe Speisekammer für die Tonne war.