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Schlafzimmer im Hochsommer: So schlafen Sie trotz Hitze

Warum das Schlafzimmer nachts am heißesten ist und mit welchen Handgriffen, welcher Decke und welchem Ventilator Sie im Hochsommer trotzdem einschlafen.

Schlafzimmer im Hochsommer: So schlafen Sie trotz Hitze

Es gibt diese eine Nacht im Hochsommer, in der man um drei Uhr morgens wach liegt, die Bettdecke längst weggestrampelt hat und trotzdem das Gefühl nicht loswird, in einem zu warmen Auto zu sitzen. Kein Ventilator der Welt scheint dagegen anzukommen. Wenn das Schlafzimmer tagsüber Wärme sammelt und sie nachts wieder abgibt, wird der Raum zur Wärmflasche, auf der man liegen soll. Das Problem ist selten die Klimaanlage, die man nicht hat. Es ist die Reihenfolge der Handgriffe am Tag davor, das falsche Bettzeug und ein Fenster, das zur falschen Stunde offen steht.

Warum das Schlafzimmer abends heißer ist als der Flur

Schlafräume liegen oft nach Westen oder unter dem Dach, und genau dort steht die Sonne am späten Nachmittag mit voller Kraft. Die Wärme kriecht durch das Glas, setzt sich in Wänden, Matratze und Schrankholz fest und wird ab Mitternacht langsam zurück in den Raum gegeben. Wer erst um zweiundzwanzig Uhr lüftet, holt sich die warme Abendluft ins Zimmer, statt sie loszuwerden. Die kühlste Außenluft kommt im Hochsommer zwischen vier und sieben Uhr morgens, nicht am späten Abend.

Daraus folgt eine simple Regel, die viele falsch herum machen: tagsüber dicht und dunkel, nachts und früh morgens weit offen. Rollläden und Vorhänge gehören bei direkter Sonne runter, bevor der Raum sich aufheizt, nicht erst danach. Ein außenliegendes Hitzeschutzrollo hält deutlich mehr Wärme draußen als ein Innenvorhang, weil die Sonne gar nicht erst auf das Glas trifft. Wer keinen Außenrollladen hat, kommt mit einer Plissee-Wabe mit Reflexbeschichtung weiter — Marken wie Cosiflor oder die Wabenplissees von Velux fürs Dachfenster liegen je nach Maß bei etwa 40 bis 120 €.

Der Querzug, den die meisten verschenken

Ein einzelnes offenes Fenster bewegt fast keine Luft. Erst wenn auf der gegenüberliegenden Seite der Wohnung ein zweites Fenster offen steht, entsteht ein echter Durchzug, der die Nachtkühle hereinzieht. Stellen Sie morgens für eine halbe Stunde alles auf Durchzug, was geht — und machen Sie dann konsequent zu, bevor Sie aus dem Haus gehen. Ein Insektengitter zum Einhängen kostet bei OBI oder Hornbach um die 10 bis 25 € und ist die Voraussetzung dafür, dass das Fenster nachts überhaupt offen bleiben kann.

Das Bett ist das eigentliche Klimagerät

Man kann den ganzen Raum kühlen wollen — entscheidend sind die dreißig Zentimeter Luft direkt über der Matratze. Eine dicke Daunendecke staut die Körperwärme, und genau das ist im Juli das Letzte, was man braucht. Wechseln Sie auf eine leichte Sommerdecke mit Füllung um 300 Gramm; eine Leichtsteppdecke von Dormabell oder die Sommervarianten bei Ikea liegen zwischen 25 und 60 €. Wer leicht schwitzt, fährt mit einer reinen Leinen- oder Perkal-Baumwollbespannung besser als mit Mikrofaser, weil Naturfasern Feuchtigkeit aufnehmen, statt sie auf der Haut zu halten.

Bei der Bettwäsche schlägt Leinen fast alles. Es fühlt sich kühl an, trocknet schnell und wird mit jeder Wäsche weicher — der einzige Haken ist der Preis: ein Leinenbezug von Urbanara oder Lakeland kostet schnell 80 bis 150 €, deutlich mehr als Baumwoll-Renforcé für 20 bis 40 €. Ein günstiger Trick für die heißesten Nächte: Bettbezug ein paar Stunden zusammengelegt ins Gefrierfach, kurz vor dem Schlafengehen aufs Bett. Der Effekt hält keine Stunde, reicht aber oft genau, um einzuschlafen.

Eine Sache, die kaum jemand bedenkt: Die Matratze selbst speichert Wärme. Ein Kaltschaumkern fühlt sich nach einer Hitzewoche deutlich wärmer an als ein Federkern, der von unten belüftet wird. Eine dünne Auflage aus Baumwolle oder ein Topper mit offenporiger Struktur kann die Liegefläche spürbar entwärmen, ohne dass man gleich eine neue Matratze braucht.

Ventilator ja — aber richtig gestellt

Ein Ventilator kühlt die Luft nicht, er beschleunigt nur die Verdunstung auf der Haut, und das fühlt sich kühler an. Solide Standgeräte gibt es von Rowenta oder Brandson ab etwa 30 bis 70 €, leise Turmventilatoren mit Timer eher bei 60 bis 120 €. Wichtiger als die Marke ist die Lautstärke: Ein Gerät über 50 Dezibel hält Sie genauso wach wie die Hitze. Stellen Sie den Ventilator nicht direkt aufs Gesicht, sondern schräg, sodass er die Luft im Raum in Bewegung hält — die ganze Nacht direkter Wind auf den Körper trocknet Schleimhäute aus und beschert einen steifen Nacken.

Der oft empfohlene Trick mit der Schüssel Eis vor dem Ventilator bringt in der Praxis wenig: Die paar Würfel sind in zwanzig Minuten geschmolzen und kühlen einen ganzen Raum nicht messbar. Sparen Sie sich die Mühe und investieren Sie das Geld lieber in eine bessere Decke.

Die kleinen Wärmequellen, die man übersieht

Ein Schlafzimmer heizt sich nicht nur durch die Sonne auf. Das Netzteil des Laptops, der Router, die Ladegeräte und sogar der Standby-Punkt des Fernsehers geben rund um die Uhr Wärme ab — wenig pro Gerät, in Summe aber spürbar in einem kleinen Raum. Ziehen Sie nachts, was nicht laufen muss, einfach aus der Steckdose. Das kühlt nicht dramatisch, aber jedes halbe Grad zählt, wenn es ohnehin schon zu warm ist.

  • Tagsüber Rollläden runter, bevor die Sonne aufs Fenster trifft — nicht erst, wenn der Raum schon warm ist.
  • Morgens zwischen vier und sieben Uhr quer durchlüften, danach alles dicht.
  • Schwere Daunendecke einlagern, leichte Sommerdecke mit etwa 300 Gramm Füllung aufs Bett.
  • Elektronik mit Standby-Wärme nachts vom Strom nehmen.
  • Pflanzen und feuchte Wäsche raus aus dem Schlafraum — Verdunstung erhöht die gefühlte Schwüle, auch wenn die Wäsche kurz kühlt.

Wer mit dem Gedanken an ein mobiles Klimagerät spielt: Ein Monoblock-Gerät mit Abluftschlauch von De'Longhi oder Comfee kostet 300 bis 600 €, frisst ordentlich Strom und arbeitet nur dann gut, wenn der Schlauch wirklich dicht durchs gekippte Fenster geführt wird — sonst saugt der Raum durch den Spalt genau die Hitze wieder an, die das Gerät gerade rausbläst. Für zwei, drei Hitzewochen im Jahr ist das ein teurer Kompromiss. Verdunkeln, früh lüften und die richtige Decke bringen für die meisten Schlafzimmer mehr fürs Geld.