Badezimmer

Silikonfugen im Bad erneuern: Die Anleitung gegen Schimmel und undichte Stellen

Schwarze Ränder, bröckelndes Silikon: Wer die Fuge im Bad selbst erneuert, spart nicht nur Geld, sondern verhindert auch, dass Feuchtigkeit unbemerkt hinter die Fliesen wandert.

Silikonfugen im Bad erneuern: Die Anleitung gegen Schimmel und undichte Stellen

Wann die Fuge wirklich raus muss

Der schwarze Rand entlang der Duschwanne war vor zwei Jahren noch strahlend weiß, und heute lässt er sich mit keinem Schwamm der Welt mehr wegschrubben. Genau an diesem Punkt beginnt für die meisten Bewohner die Suche nach einer Lösung, die über Anti-Schimmel-Spray hinausgeht. Schwarze oder graue Verfärbungen in der Silikonfuge sind kein oberflächliches Problem, sondern ein Zeichen dafür, dass sich Schimmelsporen bereits im Material selbst festgesetzt haben. Anders als auf Fliesen lässt sich Schimmel aus Silikon nicht mehr vollständig entfernen, weil das Material porös wird und die Sporen tief eindringen. Wer jetzt nur die Oberfläche reinigt, bekämpft ein Symptom, das binnen weniger Wochen zurückkehrt. Rissige, spröde oder sich lösende Fugen sind das zweite Warnsignal, und hier geht es nicht mehr nur um Optik: Wasser, das hinter die Fuge läuft, erreicht früher oder später den Estrich oder die Wand dahinter. Genau dafür gibt es die DIN 18534, die die Abdichtung von Innenräumen mit hoher Feuchtebelastung regelt – sie verlangt eine intakte, dichte Fuge an allen Übergängen zwischen Wanne, Wand und Boden. Wer beim jährlichen Frühjahrsputz ohnehin schon mit der Zahnbürste in der Fuge herumkratzt, kennt das Gefühl, dass die Substanz einfach nicht mehr sauber wird, egal wie viel Chlorreiniger man verwendet.

Nicht jede verfärbte Fuge muss sofort raus. Ein leicht gräulicher Schimmer, der sich mit verdünntem Essigreiniger entfernen lässt, ist meist harmlos und kein Grund für eine komplette Erneuerung.

Werkzeug und Material für die neue Fuge

Für ein sauberes Ergebnis braucht es weniger Ausrüstung, als die Regale im Baumarkt vermuten lassen. Ein Fugenmesser oder ein spezieller Silikonentferner, etwa von Sidol oder Der Fugendoktor, ab rund 6,99 EUR löst die alte Masse, ohne die Wanne zu zerkratzen. Dazu kommen Malerkrepp, ein Fugenglätter aus Kunststoff oder notfalls ein angefeuchteter Finger, Isopropanol zum Entfetten sowie eine Kartuschenpistole für rund 8 bis 15 EUR. Bei der Kartusche selbst lohnt sich der Griff zu einem sanitärfähigen Silikon mit Fungizid-Zusatz, etwa Ottoseal S100 oder Sista SI30, beide um die 8,99 EUR pro Kartusche. Billigere Baumarkt-Eigenmarken ohne Fungizid mögen günstiger sein – nach unserer Erfahrung schimmeln sie im Bad aber deutlich schneller nach, und dann war die gesparte Differenz von zwei, drei Euro die Mühe nicht wert. Bei OBI, Hornbach und Bauhaus liegt eine komplette Grundausstattung inklusive Pistole, Fugenglätter und einer Kartusche derzeit bei etwa 25 bis 30 EUR, was für ein durchschnittliches Bad mit Wanne und Waschbecken meist für zwei komplette Fugendurchgänge reicht.

  • Silikonentferner oder scharfes Fugenmesser
  • Sanitärsilikon mit Fungizid (Ottoseal S100, Sista SI30 oder vergleichbar)
  • Malerkrepp in zwei Rollen, weil eine Seite meist nicht reicht
  • Kartuschenpistole, Isopropanol, fusselfreie Tücher und ein Fugenglätter

Alte Fuge entfernen, ohne die Wanne zu zerkratzen

Setzen Sie das Fugenmesser flach an und schneiden Sie die Silikonraupe von beiden Seiten ein, bevor Sie sie mit der Klinge herausziehen. Wichtig: Das Messer gehört flach an die Fliese oder die Wannenkante, niemals senkrecht, sonst entstehen Kratzer, die sich später nicht mehr kaschieren lassen. Bei hartnäckigen Resten hilft ein chemischer Silikonentferner, der die Masse über Nacht aufweicht – am nächsten Morgen löst sie sich fast von selbst ab. Reste, die sich partout nicht lösen wollen, lassen sich mit feinem Schleifpapier der Körnung 400 vorsichtig abtragen, allerdings nur auf Fliesen, niemals auf Acryl- oder Kunststoffwannen, weil sich dort sofort matte Stellen bilden, die man nicht mehr wegbekommt. Kontrollieren Sie zum Schluss mit der flachen Hand, ob wirklich jede Silikonspur verschwunden ist, denn selbst kleine Reste verhindern später, dass die neue Fuge richtig haftet.

Reinigen, trocknen, abkleben: die Vorbereitung entscheidet

Handwerker im Fugengeschäft sagen es unisono: Neunzig Prozent der Qualität einer neuen Silikonfuge entscheiden sich vor dem ersten Spritzer aus der Kartusche.

Reinigen Sie die Fuge gründlich mit Isopropanol und einem fusselfreien Tuch, um Fett-, Seifen- und Silikonreste restlos zu entfernen – normaler Badreiniger hinterlässt einen Film, auf dem neues Silikon nicht richtig haftet. Anschließend muss der Bereich vollständig durchtrocknen, was je nach Belüftung vier bis zwölf Stunden dauern kann; ein Fön auf niedriger Stufe beschleunigt das, sofern er nicht zu nah an Kunststoffoberflächen gehalten wird. Kleben Sie danach beide Seiten der Fuge mit Malerkrepp ab, mit einem Abstand von etwa drei bis vier Millimetern zur eigentlichen Fugenbreite, damit später eine gleichmäßige, leicht konkave Naht entsteht. Wer beim Abkleben schludert, sieht das Ergebnis noch Monate später jedes Mal beim Duschen. Bei stark unebenen Altfliesen lohnt sich sogar eine dritte, mittige Klebekante als Führungslinie – ein Trick aus dem Fliesenlegerhandwerk, der bei geraden Fugen selten nötig ist, bei schrägen Wannenkanten aber den Unterschied zwischen einer sauberen und einer sichtbar krummen Naht macht.

Neu verfugen: Technik für eine glatte, dichte Naht

Schneiden Sie die Kartuschenspitze im 45-Grad-Winkel an, und zwar so schmal, dass die Öffnung ungefähr der gewünschten Fugenbreite entspricht. Ziehen Sie die Silikonraupe in einem durchgehenden, langsamen Zug – Stopps und Neuansätze erzeugen sichtbare Übergänge, die sich kaum noch wegglätten lassen. Direkt danach, solange das Silikon noch frisch ist, fahren Sie mit dem angefeuchteten Finger oder dem Fugenglätter einmal glatt über die gesamte Länge, ohne erneut anzusetzen. Das Malerkrepp ziehen Sie sofort im Anschluss ab, während das Silikon noch weich ist – wartet man, bis sich eine Haut gebildet hat, reißt die Kante beim Entfernen des Klebebands unweigerlich aus. Für Ecken und Innenwinkel, wo drei Fugen aufeinandertreffen, hilft ein kleiner Trick: Tragen Sie dort etwas mehr Material auf, als Sie eigentlich für nötig halten, und modellieren Sie die Ecke mit dem Finger von innen nach außen – von außen nach innen zieht das Silikon fast immer eine Luftblase mit sich.

Trocknungszeit und die ersten Tage danach

Sanitärsilikon bildet nach etwa 30 bis 60 Minuten eine erste Haut, ist aber erst nach 24 Stunden begehbar und braucht insgesamt 5 bis 7 Tage, um vollständig durchzuhärten. Duschen Sie in den ersten 24 Stunden nicht über der frischen Fuge, und verzichten Sie die ersten drei bis vier Tage auf aggressive Reiniger im behandelten Bereich. Die bessere Wahl in dieser Phase ist ein einfacher Wischer mit klarem Wasser – alles andere greift das noch nicht ausvernetzte Silikon an und verkürzt seine Lebensdauer erheblich. Manche Hersteller werben mit einer verkürzten Härtungszeit von 24 Stunden bis zur vollen Belastbarkeit; in der Praxis lohnt sich trotzdem, mindestens drei Tage vorsichtig zu bleiben, weil die Randbereiche der Fuge langsamer durchtrocknen als die sichtbare Oberfläche.

Die häufigsten Fehler beim Selbermachen

Wer zum ersten Mal eine Fuge zieht, tappt fast immer in dieselben drei Fallen. Zu viel Material auf einmal ist die häufigste: Wer die Kartusche zu großzügig ansetzt, presst mehr Silikon heraus, als die Fuge aufnehmen kann, und muss den Überschuss mühsam wieder abziehen, statt ihn sauber zu verteilen. Der zweite klassische Fehler ist Zugluft während der Trocknung – ein gekipptes Fenster mag nach guter Belüftung aussehen, reißt aber die noch weiche Oberfläche in feine Risse, die erst nach dem vollständigen Aushärten sichtbar werden. Und drittens: zu dünn aufgetragenes Silikon an den Wannenrändern, wo die Fuge durch das Gewicht von Personen beim Ein- und Aussteigen ständig leicht bewegt wird, wodurch eine zu schwache Naht binnen weniger Wochen aufreißt.

Schimmel dauerhaft vorbeugen

Eine frisch gesetzte Fuge hält bei guter Pflege drei bis fünf Jahre, bevor sie wieder anfängt zu vergrauen – vorausgesetzt, das Badezimmer wird nach dem Duschen tatsächlich gelüftet und nicht nur die Tür einen Spalt geöffnet. Wischen Sie die Fuge nach jedem Duschen kurz mit einem Abzieher oder einem Handtuch trocken; die zwanzig Sekunden Mehraufwand sparen im Zweifel eine komplette Neuverfugung in zwei Jahren. Verzichten Sie außerdem auf Duschvorhänge, die direkt auf der Fuge aufliegen, denn dahinter staut sich Feuchtigkeit, die tagelang nicht abtrocknet. Ein Bad ganz ohne Schimmelrisiko gibt es allerdings nicht – selbst bei vorbildlicher Pflege bilden sich in fensterlosen Bädern mit schwacher Lüftungsanlage nach einigen Jahren wieder erste Verfärbungen, weil die Grundfeuchte im Raum strukturell zu hoch bleibt. In solchen Fällen hilft auf Dauer nur ein Lüfter mit Nachlaufsteuerung, der zehn bis fünfzehn Minuten nach dem Duschen automatisch weiterläuft und ab etwa 60 EUR im Fachhandel erhältlich ist.

Wann Sie besser einen Fachbetrieb rufen

Selbst machen lohnt sich fast immer – mit einer Ausnahme. Wenn Wasser bereits hinter die Fuge gedrungen ist und sich die Wanne beim Draufdrücken leicht bewegt oder der Estrich dahinter weich wirkt, reicht neues Silikon nicht mehr aus. Dann steckt der Schaden in der Abdichtungsebene darunter, und ein Sanitärbetrieb muss die Wanne öffnen, um die eigentliche Ursache zu finden. Ein solcher Eingriff kostet je nach Umfang zwischen 300 und 800 EUR, deutlich mehr als die rund 20 EUR für Material in Eigenregie – aber immer noch günstiger als ein durchfeuchteter Estrich, der Monate später halbe Wände abreißen lässt.